KKSG-Gächingen 1957 e.V. Sportliches Schießen im Team

Luftgewehr

Luftgewehre sind Gewehre,  die ein Geschoss durch die Ausdehnung von komprimiertem Gas antreiben. Im Unterschied zu Feuerwaffen wird das unter Druck stehende Gas nicht  durch die Explosion einer Treibladung erzeugt, sondern innerhalb oder  außerhalb der Waffe mechanisch verdichtet. Auch Waffen, bei denen das Geschoss mit einem anderen Gas als Luft angetrieben wird, werden zu den Druckluftwaffen gezählt. Zur Bereitstellung des komprimierten Gases werden verschiedene Verfahren genutzt.

Luftgewehre haben im Vergleich zu  Handfeuerwaffen eine wesentlich geringere Leistung und sind militärisch  kaum nutzbar. Sie sind aber zur Übung der Schießfertigkeit geeignet und  wegen der geringen Betriebskosten und des vergleichsweise problemlosen Erwerbs beliebte Sportgeräte.

Funktionsprinzipien

Grundsätzlich wird zwischen Einzellader-Luftgewehren und Mehrlader-Luftgewehren unterschieden.  Technisch gibt es unterschiedliche Lösungen.

Systeme mit  Federspeicher

Eine starke Feder wird vor dem  Schuss gespannt und drückt beim Auslösen des Schusses einen Kolben nach  vorn (vergleichbar mit einer Luftpumpe). Die vom Kolben auf bis zu 150  bar komprimierte Luft treibt das Geschoss an. Dieses Prinzip ist bei  Freizeitwaffen weit verbreitet, weil die Konstruktion einfach und robust  ist und außer für die Geschosse kaum Kosten anfallen. Außer durch eine  Feder kann der Kolben auch durch ein beim Spannen zusammengedrücktes Luftpolster angetrieben werden (Gas-Ram-System). Analog zu den  Systemen mit Stahlfeder wird der Kolben beim Auslösen des Schusses durch  dieses Luftpolster nach vorn getrieben.

Bei vielen Freizeitwaffen fungiert der Lauf als Spannhebel für die Feder (Kipp- oder Knicklaufsysteme, z.B.  Weihrauch HW 50, 35, 80), bei einigen Modellen sitzt der Spannhebel parallel unterhalb des Laufes (z. B. Weihrauch HW 77). Andere  Modelle haben einen Spannhebel seitlich am Waffengehäuse (Seitenspanner,  z. B. Suhler Modell 312, Feinwerkbau Modell 300); es gab Spannhebel, die den Ladehebeln von Repetiergewehren glichen (“Durchlader”,  z. B. Suhler Sportmodell LG 49a, Anschütz 275) und bei frühen  Konstruktionen wurden auch Kurbelmechanismen zum Spannen der Feder verwendet. Ein Nachteil der Federspeichersysteme ist der kräftige Prellschlag des Kompressionskolbens, der zu deutlichen Erschütterungen  der Waffe bei der Schussentwicklung führt.

Um den Prellschlag zu vermindern, entwickelte das Dianawerk Anfang der 1960er Jahre mit dem Modell 60 das Doppelkolbenprinzip, bei dem der Prellschlag durch die Verwendung zweier gegenläufig arbeitender Kolben (Arbeits- und  Leerkolben) fast vollständig aufgefangen wird. Es folgten die systemgleichen Modelle 65 und 66. Das letzte mit dieser Technik  ausgerüstete Modell 75 wurde ausgesprochen populär. Das heutige  Seitenspanner-Modell Diana 54 Airking basiert allerdings auf  einem anderen Prinzip der Prellschlagdämpfung. Hier wird der Prellschlag durch ein federunterstützes Rücklaufsystem, ähnlich den FWB Modellen  150, 300 und 300S verhindert. Diese hatten allerdings den Nachteil, dass  das System beim Schuss ca. 2-3 cm zurücklief.

Der Hersteller Anschütz brachte in  den 1960er Jahren mit seinem Modell 220 sein erstes prellschlaggedämpftes Modell heraus. Hier wird der Systemrücklauf durch  ein Luftpolster aufgefangen, beim Nachfolger Modell 250 (1972) durch ein  ölgedämpftes Polster. Beide Systeme konnten sich aber gegen die  Konkurrenz von Feinwerkbau und Diana nicht durchsetzen, obwohl die  Rücklaufbewegung der FWB-Modelle hier durch ein Einbringen des Rücklaufsystem in ein weiteres System (dieses trägt die Visierung)  verhindert wurde. Diese Anschütz-Modelle waren nur prellschlaggedämpft. Der Prellschlag führte aber letztlich im Bereich der Wettkampfwaffen zu  einer weitgehenden Verdrängung solcher Systeme durch Systeme mit Druckgasspeicher.

Systeme mit  Gasdruckspeicher

Bei diesen Systemen wird das  komprimierte Gas durch einen an der Waffe befestigten Druckgasbehälter bereitgestellt. Das Gas wird entweder vor dem Schuss mittels einer eingebauten Pumpe verdichtet oder aus einem externen Behälter in den Druckspeicher der Waffe geleitet. Bei CO2-Systemen wird eine Patrone oder Kartusche mit druckverflüssigtem Kohlenstoffdioxid an der Waffe angebracht, welche das Druckgas bereitstellt. Bei allen Systemen mit Druckgasspeicher wird beim Schuss von einem Schlagstück ein Ventil  kurz geöffnet, wodurch unter Druck stehendes Gas auf das Geschoss wirkt  und es aus dem Lauf treibt. Durch das geringe Gewicht des Schlagstücks  entstehen dabei kaum Erschütterungen, und durch das komprimiert bereitstehende Gas wird eine schnellere Schussentwicklung erreicht als bei Federspeichersystemen.

CO2-Systeme

Bei CO2-Systemen wird  aus der Kartusche CO2 in einen kleinen Druckbehälter geleitet. Beim Schuss wird mit dem Inhalt dieses Behälters das Geschoss angetrieben. Anschließend strömt CO2 aus der Kartusche in den  Behälter nach. In der Kartusche verdunstet flüssiges CO2, bis der Gleichgewichtsdruck wiederhergestellt ist. Der Druck bleibt daher konstant, solange sich flüssiges CO2 in der Kartusche befindet. Das ermöglicht eine gleichbleibende Schussleistung, weshalb dieses Prinzip auch bei Matchwaffen verwendet wird. Ein Nachteil ist die relativ hohe Temperaturabhängigkeit des Druckes in der CO2-Kartusche, was sich ungünstig auf die Trefferleistung auswirken kann. Weil das  Spannen einer starken Feder entfällt, und wegen ihrer einfachen Handhabung werden CO2-Systeme auch bei Freizeitwaffen in großem Umfang eingesetzt.

Druckluftsysteme

Bei Systemen für Druckluft gibt es einerseits Pump- und Kompressionssysteme, bei denen der Druck durch eine eingebaute Handpumpe erzeugt wird, und andererseits Pressluftsysteme,  bei denen Druckluft von außen in einen Drucklufttank in der Waffe gefüllt wird.

Pumpsysteme

Pumpsysteme kamen schon bei  den historischen Windbüchsen zur Anwendung und wurden immer wieder für  Freizeit- und Jagdwaffen genutzt. Meist wird ein interner Drucktank  durch eine bestimmte Anzahl von Pumpenhüben gefüllt, aus welchem dann  Druckluft für einen oder mehrere Schüsse entnommen werden kann. Zum Beispiel musste das Luftreservoir der Girandoni-Windbüchse (1780)  mit etwa 1500 Pumpstößen gefüllt werden und lieferte dann Druckluft für ca. 20 Schuss.Bei Kompressionssystemen genügt eine einzige Bewegung des Pumpenhebels, um genügend Druckluft für jeweils einen Schuss zu  erzeugen.

Pressluftsysteme

Bei Matchwaffen sind Pressluftsysteme weit verbreitet, bei denen aus einer Druckluftflasche von außen komprimierte Luft in einen eingebauten Druckluftspeicher gefüllt wird. Aus diesem Speicher wird über einen  Druckminderer Luft in einen kleineren Behälter geführt, aus welchem die  Druckluft für den nächsten Schuss entnommen wird. Durch den  Druckminderer bleibt der Druck für jeden Schuss konstant, solange der  Druck im Haupttank über dem am Druckminderer eingestellten Wert bleibt. Im Freizeitbereich und für jagdliche Zwecke spielen diese Systeme eine untergeordnete Rolle, da Bereitstellung und Handhabung von  hochverdichteter Luft (200 bis 300 bar) vergleichsweise aufwendig sind.

Zieleinrichtungen

Ursprünglich wurden zum Zielen bei Luftgewehren unbewegliche Kimme und Korn verwendet. Die Kimme besteht aus einer rechteckigen U-förmigen Aussparung am oberen hinteren Ende des Gewehrs. Das Korn ist an der Oberkante vorne am Lauf angebracht.

Beim Zielen muss das Korn mit  seiner Oberkante eine Linie mit der Oberkante der Kimme bilden (“gestrichen Korn”). Diese Linie muss nun unterhalb des Ringspiegels einer Schießscheibe angesetzt werden (man spricht hierbei von “€žaufsitzen lassen” des Ringspiegels). Dabei soll das Korn gleichzeitig mittig unterhalb der Zehn auf der Schießscheibe angesetzt werden.

Moderne Wettkampfwaffen im  Schießsport besitzen genauere Zieleinrichtungen. Hinten sitzt auf dem Gewehr ein Diopter, und vorne am Lauf sitzt in einem Korntunnel ein so genanntes Ringkorn. Ringkörner gibt es in unterschiedlichen Größen, je nachdem wie viel vom Ringspiegel auf der Schießscheibe abgedeckt werden soll. Sie können in der Mitte zur Lichtfilterung eine farbige Einlage  besitzen.

Der Schütze sieht durch das  Diopter, das im Wesentlichen aus einem Gehäuse mit einer runden Durchblicköffnung besteht. Oben auf dem Diopter und an der Seite sind Drehknöpfe, mit deren Hilfe sich das Diopter in Höhen- und Seitenlage  sehr fein verstellen lässt. Der Schütze muss nun den Ringspiegel der Schießscheibe im Mittelkreis des Ringkornes zentrieren und anschließend beide Kreise in der Durchblicköffnung des Diopters zentrieren. Bei Auslösen des Schusses landet das Geschoss dann in der Zehn auf der  Schießscheibe (soweit die Theorie).

Außerhalb des Schießsportes werden Zielfernrohre an Luftgewehren im Freizeitbereich gerne eingesetzt. Bei  Knicklaufgewehren ergibt sich in der Regel eine Höhenstreuung, wenn der  Lauf nicht präzise verriegelt wird. Optimal wirken Zielfernrohre an  Luftgewehren mit feststehendem Lauf und separatem Spannhebel, wie dem  HW77.

Schalldämpfer

Optimale Ergebnisse werden mit  Preßluftwaffen (z. B. HW100) oder CO2-Waffen erreicht. Bei Federkolbensystemen sind Schalldämpfer nicht ganz so effektiv, weil die mechanischen Geräusche der Waffe nicht vermindert werden.

Rechtslage  Deutschland

Seit Einführung des neuen  Waffengesetzes dürfen in Deutschland an freie Luftgewehre (bis 7,5 Joule) auch Schalldämpfer montiert werden. Dabei gilt: Der Schalldämpfer ist frei zu erwerben, wenn die Waffe, für welche er bestimmt ist, ebenfalls frei ist (mit F-Zeichen).

Quelle: wikipedia

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